Einst war die Mark Hagen ein friedvolles Land.
Ein Königreich, ruhig und ohne besonderes Interesse eine große Rolle zu spielen, in den Ränken dieser Welt.
Benedicta wurde dort geboren.
Ihre Eltern gaben sie Theodorus von Wetter, Reichsritter des Königs Roland von Hagen, Herr über die Lehnschaften Eichengrund, Stutenbrunn und Fischbach zur Frau, dem sie bereits zum Ende des ersten Ehejahres einen Sohn gebar. Luca Theodorus von Wetter.
Da das Land in Frieden war, hatte Theodorus alle Zeit sich um das Gedeihen und Erblühen seiner Ländereien zu sorgen, so dass Luca wohl behütet in Eichengrund aufwuchs.
Doch wie man Sand nicht in Händen halten kann, so kann man die Zeit nicht dazu bringen langsamer zu laufen. Das Rad des Schicksals hatte es so bestimmt, das ausgerechnet die friedvolle Mark Hagen, wohl aufgrund ihrer Seelage auf dem Kontinent, im Jahre 1196 von den Normannen überrannt wurde. Drei Jahre tobte der Krieg.
Der König und der Kronprinz fielen in der letzten großen Schlacht um die Herrschaft in der Mark, mit ihnen fiel Theodorus, der bis zuletzt treu an der Seite König Rolands gestanden hatte.
Sieben Zehntel der Menschen des Landes verloren in den Jahren ihr Leben. Der Adel war nahezu ausgelöscht.
Roderich von Hagen, zweitgeborener Sohn des Königs, bekam von alle dem nicht viel mit.
Er lebte zu dieser Zeit bei den Elfen in den Tiefen des „Alten Waldes“ und wurde dort ähnlich einem Waldläufer ausgebildet.
Nachdem die Normannen die Mark verwüstet hatten und weiter ins Innere des Kontinents zogen, nutzen die Orken, die oberhalb der Mark Hagen lebten die Gelegenheit und verbreiteten das Chaos im Land.
Roderich, als man ihn endlich bei den Elfen gefunden hatte, nahm sein Schicksal an und versuchte –nun also eigentlich König des Landes- zu retten was längst nicht mehr zu retten war. Letztendlich blieb ihm, der nicht als Regent erzogen worden war, nichts übrig als die entfernten Nachbarn im Norden zu bitten ihm zu helfen. Ankoragahn mit seiner gewaltigen Streitmacht befreite das Land und so wurde die Mark Hagen ein Lehen des Imperiums Ankoragahn.
Unter dem ankoragahnischen Imperator Warahan Goyle Ra Gahn herrschte nun wieder Frieden im Land.
Roderich versuchte seiner Stellung als „regierender Ritter“ des Landes, gerecht zu werden und befahl Benedicta an den Hof ihm helfend zur Seite zu stehen.
Benedicta hatte sich auf Drängen ihres Mannes bei Ausbruch der Kriege mit ihrem Sohn Luca in den Wäldern von Eichengrund versteckt. In engster Nachbarschaft zu den Orks vermutete niemand eine junge Frau. Später, während der Unruhen, war sie von Ort zu Ort gezogen, ständig auf der Flucht. Sie hatten alles Weltliche verloren, aber kannten das Land nun wohl besser als jede andere Frau. Ebenso Luca, der also in jüngsten Jahren das Land in seiner ganzen Vielfalt gesehen hatte.
Benedicta folgte der Berufung an den Hof; und nachdem Luca´s höfische Ausbildung dort beendet war gab sie ihn, zu seinem 13ten Geburtstag, bei Ritter Roderich in den Knappendienst.
So wie sein Vater einst Dienst bei Roderich´s Vater getan hatte.
Benedicta selbst wandelte nun zwischen der Mark und dem Imperium, studierte an der Ankoragahnischen Akademie und wurde Diplomatin beider Länder.
Doch wieder rannte die Zeit wie Sand im Stundenglas dahin und im Jahre 1205 geriet König Warahan in einen Hinterhalt und ließ sein Leben.
Ankoragahn wurde nun vom Hohen Rat regiert; Tempelritter Bailos Zwei Stürme führte das Heer des Imperiums und Benedicta bot man den Posten der leitenden Diplomatin an.
Als 1207 die Mark Hagen autonom wurde, wechselten Benedicta und Luca endgültig ins Imperium.
Benedicta wurde zur freien Baronin von Waldburg erhoben und Luca tat nun Dienst als Knappe bei Tempelritter Bailos.
Mit ihnen zogen einige getreue Menschen; Gesinde und einige Jungsoldaten die bei Luca ihre Ausbildung begonnen hatten; und sogar Nanus E. Nenharma, der junge Elf, der durch viele gemeinsame Abenteuer mit Luca befreundet war.
Abermals drehte das Rad des Lebens sich unaufhaltsam weiter.
Bewundert und verehrt, starb Ritter Bailos Zwei Stürme im Jahre 1207 auf dem Schlachtfeld in Mythodea.
Als seine Nachfolger wurden bestimmt Ritter Fulcrum und die Herzogin Rawiel.
Die nun, zusammen mit dem hohen Rat, das Imperium und die Kolonien regieren.

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Wir schreiben den Winter 1209 unserer Zeitrechnung, das Jahr 5 nach Warahan.
Benedicta saß am Kamin der großen Halle, den Kopf nachdenklich in die Hände gestützt.
Eigentlich war sie glücklich, so wie es war. Die Baronie Waldburg war eine freie Erbbaronie und somit brauchte sie sich um Luca´s Zukunft nicht zu sorgen.
Waldburg und seinen Menschen ging es gut und hier hätte sie in Ruhe und Würde altern können, wenn da nicht besorgniserregende Nachrichten aus der Mark Hagen an ihre Ohren gedrungen wären.

Erneut fielen die Orken des Nord-Osten in die Mark ein. Roderich war tot oder zumindest verschollen, denn lange schon ward er nicht mehr gesehen. Neid, Habgier und Machthunger hatte unter den noch lebenden Adelsgeschlechtern dazu geführt sich gegenseitig die „Wurst vom Brot zu stehlen“ anstelle gemeinsam gegen die Orken vorzugehen.
Einfache Menschen aus Luca´s Geburtsstätte Eichengrund hatten nun einen Hilferuf ins weit entfernte Waldburg gesandt.
Benedicta hatte nach Luca schicken lassen. Es war ihre Pflicht ihm und allen die mit ihr aus der Mark Hagen gekommen waren zu berichten was „zu Hause“ geschah. Ein jeder sollte für sich selbst entscheiden ob er hier in der neuen Heimat bleiben oder mit der Waffe in der Hand zurück an den Ort der Kindheit kehren wollte.
Mit Luca kam Nanus, der junge Elf, zu ihr. Benedicta berichtete den beiden das volle Ausmaß der Ereignisse in der Mark. Beide Männer, noch jung an Jahren, doch durch manche Reise und Schlacht schon erfahrener als ihr Anblick glauben ließ, waren in ihrem Denken sofort eins.
In den nächsten Tagen herrschte helle Aufregung in Waldburg und Umgebung. Mann und Frau, jeder Bauer, Soldat und Gelehrter hatte seine Meinung und bekam Gelegenheit sie Kund zu tun und dann stand es fest:

Ein jeder der einst mit Benedicta die Mark Hagen verlassen hatte, würde nun unter Luca´s Leitung mit ihr zurück kehren und viele, die die Mark nie gesehen hatten, geborene Ankoragahner, Goldhafener, und sogar die Frostaler Halbelfin Gismine würden sich aus Loyalität anschließen.
Während in Waldburg reges Treiben herrschte, alles gepackt wurde was man glaubte brauchen zu können, oder was einem lieb geworden war, machte sich Luca auf nach Burg Pranke um mit Vulkrum zu reden.
Fulcrum und Luca hatten nie eine enge Bindung aufbauen können, sich eigentlich nicht einmal richtig kennen gelernt. Zu kurz war ihre gemeinsame Zeit gewesen, denn nach Bailos Tod war Luca auf eine Reise aufgebrochen die ihn nahezu ein ganzes Jahr von zu Hause fern gehalten hatte. Dennoch verstand Fulcrum Luca`s Anliegen sofort und entließ ihn in Ehre aus dem Knappendienst.
Dann kam der wohl schwerste Weg für Benedicta und Luca.
Sie stellten sich dem hohen Rath von Ankoragahn.
Nach kurzen Verhandlungen war auch hier Einigkeit erzielt und folgendes Abkommen ward getroffen:

§-Jeder der diese Reise antritt, egal ob Bauer oder Baron, verzichtet auf seine ankoragahnische Staatsangehörigkeit, geht aber in Frieden und Freundschaft.
§-Sollte es gelingen die Ordnung in der Mark wieder herzustellen wird das dort zu schaffende Reich als autonom und befreundet; Benedicta und nach ihr Luca als souveräne Herrscher anerkannt.
§-Da man den gleichen Kontinent bewohnt und sich gegenseitiger Freundschaft versichert hat, steht dem Streben nach gemeinsamen Zielen, sowie gemeinsamen Reisen nichts im Wege.



Durchs ganze Land reiten nun Benedictas´ Boten und verkünden:

„Die höfischen Kleider und Mäntel mottet in Truhen ein,
vorbei ist die Zeit des Müßiggangs.
Wer immer mit Nadel und Faden umgehen kann, nähe derbe
und feste Kleidung für das Abenteuer das vor uns liegt.
Lasst die Feuer auflodern und schmiedet Rüstung statt Geschmeide.

Ein jeder der sich uns anschließen will,
finde sich zur Mittagstunde des 6ten Tages,
im dritten Monat dieses Jahres in der südlichen Grenzfeste Ankoragahns ein.
Seit willkommene Gäste und Zeugen der Erhebung des jungen Luca in den Stand eines Ritter.
Nach vollbrachtem Ritterschlag durch
Templeritter Fulcrum Alarich Gletscherherz
und Stärkung des leiblichen Wohles, treten wir unverzüglich die Reise an,
in das Land das uns als Mark Hagen einst Heimat war.“

gezeichnet
Benedicta
Baronin zu Waldburg